Kirche vor Ort

Stellungnahme des Pfarrers zu den auflebenden liturgischen Bräuchen

Vilshofen Pfarrverband am 02.04.2026

In der Gründonnerstags-Ausgabe des Vilshofener Anzeigers wird im Lokalteil über die Heilige Woche in Vilshofen berichtet: "Liturgische Bräuche leben auf." Pfarrer Peter Kieweg bezieht Stellung.

Grund­sätz­lich freu­en wir uns über das Inter­es­se an der Lit­ur­gie und wie sie kon­kret vor Ort gefei­ert wird. Auch ein Blick auf Ver­än­de­run­gen im Lau­fe der Zeit (ob durch bau­li­che Neue­run­gen, Lit­ur­gie­re­form oder auch Pfar­rer-Wech­sel) ist legi­tim, wie sie Kreis­hei­mat­pfle­ger Rudolf Drasch ver­sucht. Den­noch soll­te dann eine genaue­re Recher­che oder gege­be­nen­falls Nach­fra­ge erfol­gen, so dass objek­ti­ve Feh­ler ver­mie­den wer­den kön­nen. So muss Fol­gen­des prä­zi­siert bzw. kor­ri­giert werden:

  • Die Fuß­wa­schung wird wie­der ein­ge­führt, ​“nach­dem sie in Vils­ho­fen vor län­ge­rem aus dem Wochen­plan gestri­chen wur­de.” Rich­tig ist, dass sie wie­der voll­zo­gen wird, ​“vor län­ge­rem” ist etwas unprä­zi­se: Vor der ein­schnei­den­den Coro­na-Pan­de­mie wur­de regel­mä­ßig die Fuß­wa­schung voll­zo­gen. Es war aber auch zuneh­mend schwie­rig, zwölf ​“Fuß­wasch­apos­tel” aus der einen Pfar­rei zu fin­den. Durch den Pfarr­ver­bands­got­tes­dienst ist es nun ein grö­ße­rer Kreis aus drei Pfar­rei­en, aus dem leich­ter zwölf Per­so­nen gewon­nen wer­den können.
  • “Auch das Oster­feu­er wird am Kar­sams­tag wie­der ent­flammt.” Das klingt danach, dass es in letz­ter Zeit kein Oster­feu­er mehr gege­ben hat, was nicht den Tat­sa­chen ent­spricht. ​“Neu” ist ledig­lich der Hin­weis aus dem Mess­buch, dass sich die Gemein­de zu Beginn der Fei­er mög­lichst um das Oster­feu­er ver­sam­meln soll­te, was als Ein­la­dung zu ver­ste­hen ist.
  • “Frü­her wur­de das ​‘Hei­li­ge Grab’ in der Kar­wo­che am lin­ken mitt­le­ren Sei­ten­al­tar öffent­lich zugäng­lich in der Stadt­pfarr­kir­che auf­ge­baut, letzt­mals 1968.” Es mag sein, dass zuletzt 1968 in der im Pres­se­ar­ti­kel durch das Archiv-Foto gezeig­ten Art und Wei­se das Hei­li­ge Grab errich­tet wor­den ist. Mir scheint das ent­we­der sehr auf­wen­dig gewe­sen zu sein oder es hat sich mitt­ler­wei­le bau­lich etwas ver­än­dert. Wie dem auch sei: Es gab nach wie vor an die­sem Ort ein Hei­li­ges Grab, vor dem zuge­han­ge­nen Fens­ter zwi­schen Sei­ten­al­tar und Beicht­stuhl (sie­he Foto oben von 2025!). Im Zuge der ent­ste­hen­den Kryp­ta war es mir ein Anlie­gen, dass das Aller­hei­ligs­te am Grün­don­ners­tag-Abend außer­halb der Pfarr­kir­che ver­bracht wird, da dies, wo immer mög­lich, die Lit­ur­gie so vor­sieht (sie­he dazu Gedan­ken ​“Theo­lo­gie & Kir­che” im aktu­el­len Oster-Pfarr­brief). Der Gedan­ke, das Hei­li­ge Grab eben­falls dort neu zu plat­zie­ren, kam dann im Gespräch zwi­schen unse­rer Gemein­de­re­fe­ren­tin Sabi­ne Grei­ne­der, Kir­chen­pfle­ger (und damals auch noch zusätz­lich Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­den) Bern­hard Ober­ne­der und mir auf — auch aus prak­ti­schen Grün­den, damit die stil­le Zeit am Hei­li­gen Grab bis zur Ves­per am Kar­sams­tag­abend gewahrt bleibt, wäh­rend­des­sen nach Mit­tag in der Pfarr­kir­che für Ostern alles vor­be­rei­tet wer­den muss. ​“Öffent­lich zugäng­lich” ist das Hei­li­ge Grab nach wie vor, da die Kryp­ta geöff­net blei­ben wird, in die auch Hin­weis­schil­der füh­ren — eben um nichts zu ver­ste­cken und den­noch eine gewis­se Ver­bor­gen­heit, wie es dem Geheim­nis des Kar­sams­ta­ges ent­spricht, zu wah­ren. Neu ist, dass es nach der Kar­frei­tags­lit­ur­gie kei­ne (ver­schlei­er­te) Aus­set­zung des Aller­hei­ligs­ten geben wird, gemäß der aktu­el­len lit­ur­gi­schen Vor­schrift: ​“Die Eucha­ris­tie darf nicht im Hei­li­gen Grab auf­be­wahrt oder gar zur Ver­eh­rung aus­ge­setzt wer­den.” Kreuz in der Pfarr­kir­che und Grab in der Kryp­ta laden zur stil­len Betrach­tung ein, wie ich in der Palm­sonn­tags-Pre­digt bemerkt habe: von den ört­li­chen Gege­ben­hei­ten auch sehr nahe (von den Abstän­den und dem Höhen­un­ter­schied her) am Jeru­sa­le­mer Ori­gi­nal in der Grabeskirche.
  • “Nun soll es von soge­nann­ten ​‘Ölberg­wa­chen’ durch die Land­ju­gend vor Unge­mach geschützt wer­den.” Aus wel­cher Quel­le sich die­se The­se speist, ist nicht nur mir völ­lig schlei­er­haft. Mit der Ölberg­wa­che des (kor­rekt) BDKJ, die ohne­hin von vor (!) der Pfarr­kir­che zur Maria-Hilf-Kir­che führt, hat dies über­haupt gar nichts zu tun. Auch ist die Unter­stel­lung frag­wür­dig, dass jemand (die Jugend selbst oder ande­re???) dem Grab ​“Unge­mach” antun wür­de (oder die Unter­stel­lung der Unter­stel­lung, dass man dies ver­mu­ten wür­de). Schließ­lich: Am Grün­don­ners­tag­abend ist das Hei­li­ge Grab ohne­hin noch nicht in Funk­ti­on; hier braucht es oben ange­deu­te­ten Auf­be­wah­rungs­ort, der ​“nicht die Form des ​‘Hei­li­gen Gra­bes’ haben [soll]; man mei­de auch den Aus­druck ​‘Hei­li­ges Grab’: Der Auf­be­wah­rungs­ort ist nicht dazu da, das Begräb­nis des Herrn dar­zu­stel­len, son­dern um das eucha­ris­ti­sche Brot für die Kom­mu­ni­on am Kar­frei­tag auf­zu­be­wah­ren.” Wenn die Vils­ho­fe­ner Kryp­ta bei­des beher­bergt, braucht es ein paar Hand­grif­fe, um nach dem Holen des eucha­ris­ti­schen Bro­tes aus der Kryp­ta für die Kar­frei­tags-Kom­mu­ni­on­fei­er aus dem Auf­be­wah­rungs­ort das Hei­li­ge Grab zu machen (Taber­na­kel und Tuch, das das Grab ver­hüllt, weg).

Abschlie­ßend: Es bleibt immer eine span­nen­de Fra­ge, wie das Ange­bot der lit­ur­gi­schen Mit­fei­er ange­nom­men wird — ob unver­än­dert oder nach Neue­run­gen, sei es durch Anknüp­fun­gen an über­lie­fer­te Tra­di­tio­nen oder (in die­sem Fal­le eher) Anpas­sun­gen gemäß den Rubri­ken (Vor­schrif­ten) des Mess­bu­ches. All dies stellt aber kei­ne Kri­tik an frü­he­ren Gepflo­gen­hei­ten dar, son­dern ist eine immer auch ein Stück weit per­sön­li­che Ant­wort auf die Fra­ge, wie sich die Fei­er gemäß dem Geist der Lit­ur­gie am bes­ten kon­kret vor Ort gestal­ten lässt. Auch die­se Ant­wort ver­dient die ​“Her­me­neu­tik des Wohl­wol­lens” (Bischof Ste­fan Oster) bzw. den ​“Vor­schuss jener Sym­pa­thie, ohne die es kein Ver­ste­hen gibt” (Papst Bene­dikt XVI.).

Peter Kie­weg, Pfr.

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