Grundsätzlich freuen wir uns über das Interesse an der Liturgie und wie sie konkret vor Ort gefeiert wird. Auch ein Blick auf Veränderungen im Laufe der Zeit (ob durch bauliche Neuerungen, Liturgiereform oder auch Pfarrer-Wechsel) ist legitim, wie sie Kreisheimatpfleger Rudolf Drasch versucht. Dennoch sollte dann eine genauere Recherche oder gegebenenfalls Nachfrage erfolgen, so dass objektive Fehler vermieden werden können. So muss Folgendes präzisiert bzw. korrigiert werden:
- Die Fußwaschung wird wieder eingeführt, “nachdem sie in Vilshofen vor längerem aus dem Wochenplan gestrichen wurde.” Richtig ist, dass sie wieder vollzogen wird, “vor längerem” ist etwas unpräzise: Vor der einschneidenden Corona-Pandemie wurde regelmäßig die Fußwaschung vollzogen. Es war aber auch zunehmend schwierig, zwölf “Fußwaschapostel” aus der einen Pfarrei zu finden. Durch den Pfarrverbandsgottesdienst ist es nun ein größerer Kreis aus drei Pfarreien, aus dem leichter zwölf Personen gewonnen werden können.
- “Auch das Osterfeuer wird am Karsamstag wieder entflammt.” Das klingt danach, dass es in letzter Zeit kein Osterfeuer mehr gegeben hat, was nicht den Tatsachen entspricht. “Neu” ist lediglich der Hinweis aus dem Messbuch, dass sich die Gemeinde zu Beginn der Feier möglichst um das Osterfeuer versammeln sollte, was als Einladung zu verstehen ist.
- “Früher wurde das ‘Heilige Grab’ in der Karwoche am linken mittleren Seitenaltar öffentlich zugänglich in der Stadtpfarrkirche aufgebaut, letztmals 1968.” Es mag sein, dass zuletzt 1968 in der im Presseartikel durch das Archiv-Foto gezeigten Art und Weise das Heilige Grab errichtet worden ist. Mir scheint das entweder sehr aufwendig gewesen zu sein oder es hat sich mittlerweile baulich etwas verändert. Wie dem auch sei: Es gab nach wie vor an diesem Ort ein Heiliges Grab, vor dem zugehangenen Fenster zwischen Seitenaltar und Beichtstuhl (siehe Foto oben von 2025!). Im Zuge der entstehenden Krypta war es mir ein Anliegen, dass das Allerheiligste am Gründonnerstag-Abend außerhalb der Pfarrkirche verbracht wird, da dies, wo immer möglich, die Liturgie so vorsieht (siehe dazu Gedanken “Theologie & Kirche” im aktuellen Oster-Pfarrbrief). Der Gedanke, das Heilige Grab ebenfalls dort neu zu platzieren, kam dann im Gespräch zwischen unserer Gemeindereferentin Sabine Greineder, Kirchenpfleger (und damals auch noch zusätzlich Pfarrgemeinderatsvorsitzenden) Bernhard Oberneder und mir auf — auch aus praktischen Gründen, damit die stille Zeit am Heiligen Grab bis zur Vesper am Karsamstagabend gewahrt bleibt, währenddessen nach Mittag in der Pfarrkirche für Ostern alles vorbereitet werden muss. “Öffentlich zugänglich” ist das Heilige Grab nach wie vor, da die Krypta geöffnet bleiben wird, in die auch Hinweisschilder führen — eben um nichts zu verstecken und dennoch eine gewisse Verborgenheit, wie es dem Geheimnis des Karsamstages entspricht, zu wahren. Neu ist, dass es nach der Karfreitagsliturgie keine (verschleierte) Aussetzung des Allerheiligsten geben wird, gemäß der aktuellen liturgischen Vorschrift: “Die Eucharistie darf nicht im Heiligen Grab aufbewahrt oder gar zur Verehrung ausgesetzt werden.” Kreuz in der Pfarrkirche und Grab in der Krypta laden zur stillen Betrachtung ein, wie ich in der Palmsonntags-Predigt bemerkt habe: von den örtlichen Gegebenheiten auch sehr nahe (von den Abständen und dem Höhenunterschied her) am Jerusalemer Original in der Grabeskirche.
- “Nun soll es von sogenannten ‘Ölbergwachen’ durch die Landjugend vor Ungemach geschützt werden.” Aus welcher Quelle sich diese These speist, ist nicht nur mir völlig schleierhaft. Mit der Ölbergwache des (korrekt) BDKJ, die ohnehin von vor (!) der Pfarrkirche zur Maria-Hilf-Kirche führt, hat dies überhaupt gar nichts zu tun. Auch ist die Unterstellung fragwürdig, dass jemand (die Jugend selbst oder andere???) dem Grab “Ungemach” antun würde (oder die Unterstellung der Unterstellung, dass man dies vermuten würde). Schließlich: Am Gründonnerstagabend ist das Heilige Grab ohnehin noch nicht in Funktion; hier braucht es oben angedeuteten Aufbewahrungsort, der “nicht die Form des ‘Heiligen Grabes’ haben [soll]; man meide auch den Ausdruck ‘Heiliges Grab’: Der Aufbewahrungsort ist nicht dazu da, das Begräbnis des Herrn darzustellen, sondern um das eucharistische Brot für die Kommunion am Karfreitag aufzubewahren.” Wenn die Vilshofener Krypta beides beherbergt, braucht es ein paar Handgriffe, um nach dem Holen des eucharistischen Brotes aus der Krypta für die Karfreitags-Kommunionfeier aus dem Aufbewahrungsort das Heilige Grab zu machen (Tabernakel und Tuch, das das Grab verhüllt, weg).
Abschließend: Es bleibt immer eine spannende Frage, wie das Angebot der liturgischen Mitfeier angenommen wird — ob unverändert oder nach Neuerungen, sei es durch Anknüpfungen an überlieferte Traditionen oder (in diesem Falle eher) Anpassungen gemäß den Rubriken (Vorschriften) des Messbuches. All dies stellt aber keine Kritik an früheren Gepflogenheiten dar, sondern ist eine immer auch ein Stück weit persönliche Antwort auf die Frage, wie sich die Feier gemäß dem Geist der Liturgie am besten konkret vor Ort gestalten lässt. Auch diese Antwort verdient die “Hermeneutik des Wohlwollens” (Bischof Stefan Oster) bzw. den “Vorschuss jener Sympathie, ohne die es kein Verstehen gibt” (Papst Benedikt XVI.).
Peter Kieweg, Pfr.



