Erika Schwitulla
Vilshofen. „Eine beeindruckende Fronleichnams-Prozession“ meinte Altbürgermeister Gschwendtner am Ende der Veranstaltung und sprach damit fast 400 Menschen aus der Seele. Und man spürte, dass die Fronleichnamsprozession – trotz allgemein schwindenden Interesses an der Religion und christlichen Feiertagen - bei der Vilshofener Bevölkerung einen großen Stellenwert hat. - von Peter Raster
Erika Schwitulla
Ja, die Fronleichnamsprozession ist – wie es in der Süddeutschen Zeitung mal formuliert wurde — die ‚Glanz- und Gloria-Veranstaltung‘ der katholischen Kirche, die mit großem Aufwand vorbereitet und durchgeführt wird.
Der Stadtplatz musste gesperrt werden, Birkenzweige geschlagen und als Baumschmuck über Stadtplatz und Donaugasse verteilt, 4 Altäre aufgebaut, Blumenteppiche mit verschiedenen liturgischen Motiven geknüpft, die Fahnenträger verschiedenster Gruppen organisiert und aufgestellt werden.
Erika Schwitulla
Der neue Pfarrer und Leiter des Pastoralen Raums Vilshofen, Peter Kieweg, zelebrierte die Vilshofener Fronleichnamsprozession und wurde dabei von den Schweikelberger Patres Fraternus als Konzelebrant und Paul als Diakon assistiert. Die Johannesbläser übernahmen die musikalische Begleitung.
Erika Schwitulla
Im Anschluss an die Eucharistiefeier in der St. Johannes der Täufer Kirche zog die Prozession los, bei schönstem Sonnenwetter mit dem Allerheiligsten — getragen vom Pfarrer unter einem wiederum von vier Männern getragenen Stoffhimmel — über die 4 Stationen mit den jeweiligen Altären am Rathaus, Stadtturm, Pfarrgemeindezentrum zurück zur Kirche. Gefolgt von den Fahnenträgern von Feuerwehr über Reservistenverband, Kolpingfamilie, Bürgerbruderschaft und weiteren Gruppen und den Gläubigen. Dieser Weg ist sinnbildlich zu sehen als der Weg, der von Alpha bis Omega führt – vom Ursprung zum Ziel, das wieder Ursprung und Gott selbst ist.
Erika Schwitulla
Am Ende der Feierlichkeiten bemerkte eine Teilnehmerin evangelischen Glaubens – halb bewundernd, halb belächelnd: „Ihr Katholiken liebt schon sehr das Zeremoniell“. Als Zuschauer am Rande könnte man versucht sein, den Fronleichnamszug als etwas aus der Zeit Gefallenes zu sehen, als folkloristische Veranstaltung.
Aber die Fronleichnamsfeierlichkeiten — mit ihrer sinnlichen Choreographie, Weihrauch, Blumenschmuck, biblischen Rezitativen und Gesängen – dient den gläubigen Katholiken die göttliche Nähe und in einer von Umbrüchen geprägten Welt den göttlichen Beistand zu spüren. Es ist also nicht aus der Zeit gefallen, sondern hat für die Katholiken einen unmittelbaren Bezug zur eigenen menschlichen Lebenswirklichkeit.
Die Botschaft lautet: „Du bist nicht allein“. Und das hat man bei diesen Fronleichnamsfeierlichkeiten gespürt, möglicherweise auch die, die dem katholischen Glauben und Ritualen distanziert gegenüberstehen.
Erika Schwitulla



