Über ein halbes Jahrhundert war Ludwig Silbernagl Mitglied der Vilshofener Kirchenverwaltung. Die letzten 24 Jahre davon war er Kirchenpfleger, ehe er 2024 aus dem Gremien ausschied. Nach längerer Krankheit ist er am 16. Juni verstorben.
Sein Engagement in der Kirchenverwaltung wurde im Herbst 1970 in die Wege geleitet, wie sein Nachfolger, Kirchenpfleger Bernhard Oberneder, im Nachruf bei der Trauerfeier aufzeigte. Vom damaligen Stadtpfarrer Raimund Winklhofer wurde er angesprochen und von der Gemeinde in die Kirchenverwaltung gewählt. Im Januar 2001 übernahm er das Amt des Kirchenpflegers unter Stadtpfarrer Hans Striedl und übte dieses Amt vor allem in der Wirkungszeit von Stadtpfarrer Lothar Zerer aus.
Der emeritierte Geistliche hielt auch das Requiem für den Verstorbenen und spannte in seiner Predigt den Bogen weiter zurück. Neben der Familie mit der Zimmerei, in die er am 21. November 1943 in Vilshofen hineingeboren wurde, war für ihn früh insbesondere als Ministrant die Kirche prägend. Nach der Zimmerlehre holte er das Abitur nach und studierte Architektur. Sein Weg sollte ihn zunächst ganz woanders hinführen, wie der Ruhestandspfarrer ausführte: „Wie der Herrgott seine Gedanken in unsere Herzen hineingibt, das bleibt sein Geheimnis. Aber in dem jungen Ludwig pflanzte er den Wunsch ins Herz, als Entwicklungshelfer nach Afrika zu gehen. Ende der 60-er Jahre machte er sich auf und ging für mehrere Jahre nach Malawi und Kamerun. Brunnen baute er, auch ein Krankenhaus. Und besten Kontakt pflegte er zu den Weißen Vätern, welche die Missionsstationen betreuten. Auf abenteuerlichen Wegstrecken machten sie sich mit Motorrädern auf zu den entlegensten Missionsstationen und gaben den Menschen neben Gebäuden und Medikamenten vor allem Hoffnung und Zuversicht.“
Wieder Zuhause gründete er eine Familie und erhielt zusammen mit seiner Ehefrau, von der er 2023 Abschied nehmen musste, das Geschenk einer Tochter und zweier Enkelkinder. Beruflich war sein Leben fortan geprägt von seiner zuletzt auch leitenden Tätigkeit beim Tiefbauamt der Stadt Passau und als solcher auch in Vilshofen ein gefragter und geschätzter Fachmann, wie Altbürgermeister Hans Gschwendtner im Rückblick betont. Ehrenamtlich galt sein Herzblut insbesondere seit 2001 seiner Tätigkeit als Kirchenpfleger.
Ab diesem Zeitpunkt hatte er ein waches Auge für vier Kirchen, das Pfarrzentrum und mehrere Wohnungen, genauso wie für die Angestellten, die Tafel und verschiedene kirchliche Vereine und Gruppierungen. Mehrmals in der Woche war er im Pfarrbüro und erledigte die anstehenden Angelegenheiten, kleinere Reparaturen übernahm er selbst und hielt regen Kontakt zum Pfarrgemeinderat.
Neben dem Alltagsbetrieb fielen in die Zeit als Kirchenpfleger von Ludwig Silbernagl große Baustellen, wie die Finanzierung und der Bau der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche. Kaum war diese eingebaut, kam die Nachricht von einem maroden Kirchendach. Mehrmals wöchentlich besuchte Ludwig Silbernagl die Baustelle, um nachzuschauen, ob es Probleme gibt. Und diese sollte es tatsächlich ein paar Meter weiter bzw. höher geben: Auch im Turmhelm meldeten sich durch Feuchtigkeit morsch gewordene Balken — das Turmdach drohte auf den Stadtplatz zu stürzen. Kirchenpfleger Bernhard Oberneder würdigte das Engagement des Verstorbenen gerade auch hinsichtlich dieser außergewöhnlichen Baustellen, die alle erfolgreich zu Ende gebracht wurden, auch weil Ludwig Silbernagl von einem Optimismus geprägt war, der in der Predigt beschrieben wurde: Wenn eine der großen neuen Herausforderungen sich stellten, „da war sein Kommentar nicht: ‚Um Gottes Willen, wie sollen wir das schaffen?‘ Nein, da sagte er nüchtern und trocken: ‚Da haben wir jetzt was zu tun.‘“
Im Namen der Pfarrei Vilshofen mit Pfarrer Peter Kieweg und der gesamten Kirchenverwaltung betonte Bernhard Oberneder: „Wir haben Dir unheimlich viel zu verdanken, und ich bin mir sicher: Der Herrgott wird’s Dir vergelten.“ Der christliche Glaube daran war tief in Ludwig Silbernagl eingeprägt und war tiefster Grund für sein langjähriges Wirken, ob in der Fremde oder daheim.
Pfr. Peter Kieweg



