Kirche vor Ort

In Gedenken an Kirchenpfleger Ludwig Silbernagl

Vilshofen Pfarrverband am 27.06.2026

Über ein halbes Jahrhundert war Ludwig Silbernagl Mitglied der Vilshofener Kirchenverwaltung. Die letzten 24 Jahre davon war er Kirchenpfleger, ehe er 2024 aus dem Gremien ausschied. Nach längerer Krankheit ist er am 16. Juni verstorben.

Sein Enga­ge­ment in der Kir­chen­ver­wal­tung wur­de im Herbst 1970 in die Wege gelei­tet, wie sein Nach­fol­ger, Kir­chen­pfle­ger Bern­hard Ober­ne­der, im Nach­ruf bei der Trau­er­fei­er auf­zeig­te. Vom dama­li­gen Stadt­pfar­rer Rai­mund Winklho­fer wur­de er ange­spro­chen und von der Gemein­de in die Kir­chen­ver­wal­tung gewählt. Im Janu­ar 2001 über­nahm er das Amt des Kir­chen­pfle­gers unter Stadt­pfar­rer Hans Striedl und übte die­ses Amt vor allem in der Wir­kungs­zeit von Stadt­pfar­rer Lothar Zerer aus. 

Der eme­ri­tier­te Geist­li­che hielt auch das Requi­em für den Ver­stor­be­nen und spann­te in sei­ner Pre­digt den Bogen wei­ter zurück. Neben der Fami­lie mit der Zim­me­rei, in die er am 21. Novem­ber 1943 in Vils­ho­fen hin­ein­ge­bo­ren wur­de, war für ihn früh ins­be­son­de­re als Minis­trant die Kir­che prä­gend. Nach der Zim­mer­leh­re hol­te er das Abitur nach und stu­dier­te Archi­tek­tur. Sein Weg soll­te ihn zunächst ganz woan­ders hin­füh­ren, wie der Ruhe­stands­pfar­rer aus­führ­te: ​„Wie der Herr­gott sei­ne Gedan­ken in unse­re Her­zen hin­ein­gibt, das bleibt sein Geheim­nis. Aber in dem jun­gen Lud­wig pflanz­te er den Wunsch ins Herz, als Ent­wick­lungs­hel­fer nach Afri­ka zu gehen. Ende der 60-er Jah­re mach­te er sich auf und ging für meh­re­re Jah­re nach Mala­wi und Kame­run. Brun­nen bau­te er, auch ein Kran­ken­haus. Und bes­ten Kon­takt pfleg­te er zu den Wei­ßen Vätern, wel­che die Mis­si­ons­sta­tio­nen betreu­ten. Auf aben­teu­er­li­chen Weg­stre­cken mach­ten sie sich mit Motor­rä­dern auf zu den ent­le­gens­ten Mis­si­ons­sta­tio­nen und gaben den Men­schen neben Gebäu­den und Medi­ka­men­ten vor allem Hoff­nung und Zuversicht.“

Wie­der Zuhau­se grün­de­te er eine Fami­lie und erhielt zusam­men mit sei­ner Ehe­frau, von der er 2023 Abschied neh­men muss­te, das Geschenk einer Toch­ter und zwei­er Enkel­kin­der. Beruf­lich war sein Leben fort­an geprägt von sei­ner zuletzt auch lei­ten­den Tätig­keit beim Tief­bau­amt der Stadt Pas­sau und als sol­cher auch in Vils­ho­fen ein gefrag­ter und geschätz­ter Fach­mann, wie Alt­bür­ger­meis­ter Hans Gschwendt­ner im Rück­blick betont. Ehren­amt­lich galt sein Herz­blut ins­be­son­de­re seit 2001 sei­ner Tätig­keit als Kirchenpfleger.

Ab die­sem Zeit­punkt hat­te er ein waches Auge für vier Kir­chen, das Pfarr­zen­trum und meh­re­re Woh­nun­gen, genau­so wie für die Ange­stell­ten, die Tafel und ver­schie­de­ne kirch­li­che Ver­ei­ne und Grup­pie­run­gen. Mehr­mals in der Woche war er im Pfarr­bü­ro und erle­dig­te die anste­hen­den Ange­le­gen­hei­ten, klei­ne­re Repa­ra­tu­ren über­nahm er selbst und hielt regen Kon­takt zum Pfarrgemeinderat.

Neben dem All­tags­be­trieb fie­len in die Zeit als Kir­chen­pfle­ger von Lud­wig Sil­ber­nagl gro­ße Bau­stel­len, wie die Finan­zie­rung und der Bau der neu­en Orgel in der Stadt­pfarr­kir­che. Kaum war die­se ein­ge­baut, kam die Nach­richt von einem maro­den Kir­chen­dach. Mehr­mals wöchent­lich besuch­te Lud­wig Sil­ber­nagl die Bau­stel­le, um nach­zu­schau­en, ob es Pro­ble­me gibt. Und die­se soll­te es tat­säch­lich ein paar Meter wei­ter bzw. höher geben: Auch im Turm­helm mel­de­ten sich durch Feuch­tig­keit morsch gewor­de­ne Bal­ken — das Turm­dach droh­te auf den Stadt­platz zu stür­zen. Kir­chen­pfle­ger Bern­hard Ober­ne­der wür­dig­te das Enga­ge­ment des Ver­stor­be­nen gera­de auch hin­sicht­lich die­ser außer­ge­wöhn­li­chen Bau­stel­len, die alle erfolg­reich zu Ende gebracht wur­den, auch weil Lud­wig Sil­ber­nagl von einem Opti­mis­mus geprägt war, der in der Pre­digt beschrie­ben wur­de: Wenn eine der gro­ßen neu­en Her­aus­for­de­run­gen sich stell­ten, ​„da war sein Kom­men­tar nicht: ​‚Um Got­tes Wil­len, wie sol­len wir das schaf­fen?‘ Nein, da sag­te er nüch­tern und tro­cken: ​‚Da haben wir jetzt was zu tun.‘“

Im Namen der Pfar­rei Vils­ho­fen mit Pfar­rer Peter Kie­weg und der gesam­ten Kir­chen­ver­wal­tung beton­te Bern­hard Ober­ne­der: ​„Wir haben Dir unheim­lich viel zu ver­dan­ken, und ich bin mir sicher: Der Herr­gott wird’s Dir ver­gel­ten.“ Der christ­li­che Glau­be dar­an war tief in Lud­wig Sil­ber­nagl ein­ge­prägt und war tiefs­ter Grund für sein lang­jäh­ri­ges Wir­ken, ob in der Frem­de oder daheim.

Pfr. Peter Kieweg

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